Outdoor Neu? Hat Corona uns verändert?

Outdoor Neu? Hat Corona uns verändert?

Heute: Wenn outdoor wieder per definitionem einfach nur draußen vor der Tür bedeutet …

Outdoor Neu, hat Corona uns verändert? – Hey outdoor seekers … in einem unserer Strategiemeetings für 2020 hatten wir die Idee, 2020 gemeinsam mit euch das erste Fünftel des Jahrtausends Revue passiere zu lassen – Erfahrungen austauschen, besondere Abenteuer nochmal erzählen, die besten Plätze ein zweites Mal vorstellen, erinnern, lachen und vielleicht -wie das immer auch ist bei so einem Jubiläum – auch ein bisschen weinen.

„Damals“, im Redaktionsmeeting Herbst 2019, war die Mikrobe aus Wuhan noch ein mehr oder weniger ungelegtes Ei und wir hatten keine Ahnung, dass uns ein historischer Lockdown bevor stehen würde. Ein verordneter Stillstand, der uns in unser Land, unsere Grundstückgrenzen und damit näher an uns selbst zwingen würde.

Outdoor Neu? Hat Corona uns verändert?

Outdoor Neu? Hat Corona uns verändert?

Wir möchten diese Reihe daher etwas abgeändert starten. Mit Gedanken, was Corona mit uns gemacht hat.

Mit harten Typen, starken Männern, Sportlern, Machern, coolen BeachBabes und -Boys, Strandkindern, Outdoorern, Campern, Reisenden … mit euch!
Erzählt uns etwas über „euren Lockdown“! Darüber, wie es war, nicht raus zu können. Hat es denn etwas mit euch gemacht?

Robert, Mitte 40, aus Österreich, hat uns mit einem zwinkernden Auge als erster dazu ein paar Fragen beantwortet:

Hallo Robert, du bist Biker, Surfer, Camper, Kletterer. Unserer Redakteurin hast du gesagt, dir ist kein Berg zu hoch, keine Abfahrt zu steil, kein Wind zu stark, kein Platz zu abgelegen. Wie sieht dein „normales“ Leben aus?

Hallo Outdoorgleichgesinnte. Meine Freizeit orientiert sich nach diversen Wind und Wetter Apps. Bei Schlechtwetter bin ich auf der Suche nach gutem Material bzw guter Ausrüstung und tausche mich mit Freunden und Sportlerkollegen aus. Und jedes Wochenende bin ich dankbar, dass meine Familie dafür so viel Verständnis hat. Für den Frühling hatte ich jede Menge Bike-Pläne. Dann kam der Lockdown. 7 Wochen Balkonien bzw Dahamas. Puh. Echt zäh. Unser Garten ist nicht groß und meine Frau war mäßig begeistert von der Idee, mich zu sichern, während ich mit dem Klettergeschirr vom Dach auf den höchsten Baum des Nachbars turnte. Was ja theoretisch auch verboten war.

Mit anderen Worten: du hast dich gelangweilt? Wie ging es dir damit? Hast du kein Buch gelesen?

Ja, definitiv! Mir fiel schon wirklich nach einiger Zeit die Decke auf den Kopf. Irgendwann war die Todo-Liste mit Reparaturen abgearbeitet, die Beete umgegraben und der Keller aufgeräumt. Ich war angefressen. Ich gebe es zu. Man kann nicht Wochenlang in Ruhe ein Buch lesen oder sich Fotos angucken, wenn dein Körper es gewohnt ist, jedes Wochenende Höchstleistungen an der frischen Luft zu erbringen. Es war echt kein Spaß für mich und ich fühlte mich wirklich eingesperrt.

Wie ging es dir dann so nach 4, 5 Wochen?

Nicht gut. Ich war körperlich frustriert, hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Anstoß zum Umdenken gab mein Sohn. Er lernte gerader Englisch und hat mich darauf hingewiesen, dass outdoor j a wörtlich im Grunde nur „draußen“ heißt. Draußen also. Einfach draußen. Egal wie und wo.Mit diesem simplen Gedanken im Kopf bin ich dann „nach draußen“. Ok, da war der Garten. DRAUSSEN. Kein GPRS, kein Navi, keine Route, kein Camelbak notwendig. Garten und ein Stück Wald, in das ich mit dem Hund durfte. Gut, dass wir den haben. Dann eben ab in den Mini-Wald. Nur ein Stück Leine in der Hand. Keine Ausrüstung checken, keine App, kein Ziel eingeben, keinen Plan, keine Etappe, keine Zeitvorgabe. 1 Hektar Wald mitten im Wohngebiet, der Hund und ich. Total ungewohnt, so ganz ohne Plan.

Ohne Plan, sagst du. War es denn so ungewohnt “ohne Plan“ zu sein?

JA, ich gestehe, ich wer erstmals seit gefühlten 20 Jahren planlos draußen. Es gab kein Ziel zu erreichen. Wir gingen bloß, der Hund und ich. Alleine. Die einzige Entscheidung: weiter oder nicht, noch ne Runde, schneller oder langsamer.
Kein Blick in den Himmel nötig, ob das Wetter hält, kein Tourencheck, der Mitstreiter nur ein wuscheliges winziges Knäul Fell, das dich gut findet, egal was du tust. Keine ANDEREN, die schneller, besser, langsamer, schlechter oder optimaler ausgerüstet sind, nur ich. Puh, alleine mit dem Takt meiner Muskeln. Luft, Waldboden, Ende der Geschichte. PUR? Eigentlich ja. Outdoor PUR, so ganz ohne die Jagd nach einem guten Resultat, einem guten Stellplatz, einem guten Grill-Steak, einer guten Windausbeute, einer zufriedenstellendes Tagesetappe. Den kleinen Fluff neben mir kümmerte nur mein Rhythmus, und der schien zufriedenstellend, denn er freute sich, wenn ich die Leine dann täglich in die Hand nahm.

Gehst du denn sonst nie mit dem Hund spazieren?

Bewusst sicher nicht. Ich hetzte manchmal mit ihm durch en Wald, wenn meine Frau mal nicht da ist und denke dann an eine meiner nächsten Touren. Dass eine Runde im Wald vor dem Haus bereits die Tour IST, das gab es für mich nie, nein. Den Takt gaben für mich eher zurückgelegte (Höhen)Meter, Pulsfrequenzmesser, Schrittzähler, Windmesser, Handy an. Aber das war plötzlich alles überflüssig. Alles egal. Ziellos, planlos und seltsam in Ruhe. Atmen, laufen, rennen, gehen. Draußen. OUTDOOR REAL sozusagen. Unaufgeregt und herrlich einfach. Und am darauffolgenden Tag: Repeat. So wie auf den T-Shirts: Eat – Sleep – Repeat! Das hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Oder vielleicht noch nie.

Du hast also eine sinnvolle Erkenntnis aus der Zeit gezogen?

Ich erinnere mich an damals, als ich ein Junge war, und unsere einzige Ausrüstung (vielleicht) eine Regenjacke und ein selbst gebasteltes Holzschwert war. Und vielleicht die kleine Schwester, mit der uns die Mutter zum Baden geschickt hat. Daran hab ich mich erinnert und ja, auf jeden Fall: Outdoor heißt einfach nur draußen und das ist überall, im Garten, auf dem Weg, im Wald, auf dem Feld, in der Wiese … es muss nicht immer die neueste angesagte Tour oder der neue tolle Platz ebenso wenig wie die neueste Technik sein. Zurück an den Ursprung. Back to the roots … ist es nicht das, was wir ursprünglich mit dem outdoor spirit wollten?

Danke dir für das Interview, Robert. Hast du noch einen abschließenden Satz für uns?

Ich hoffe, ich kann mir ein wenig von dieser Erkenntnis in den Alltag hinüber retten. Nicht immer einem Freizeitplan nachhecheln, öfter inne halten und einfach draußen SEIN. Ich wünsch euch eine gute Zeit da draußen.

Outdoor Neu, hat Corona uns verändert?

Was habt ihr euch mitgenommen, aus einer Zeit, in der die Welt still stand? Hat es euch verändert? Harz, Rügen, Nordsee und Ostfriesland haben diese Saison angeblich Hochkonjunktur. Auf Instagram prügeln sich die Vanlife- und Outdoor-Blogger nun um die besten Stellplätze IN Deutschland. Was habt ihr für Pläne? Hat der C-Virus eure Gewohnheiten verändert? Oder seid ihr schon wieder in alter Manier unterwegs? Nehmen wir uns ein bisschen Erkenntnis aus Lockdownzeiten mit in die Normalität? Habt auch ihr euch ein wenig auf das Outdoor vor der eigenen Tür besinnt, so wie Robert – in eine Welt, in der vielleicht ein kleiner Wollflusch bellend um seine Beine springt, wenn er ohne Plan einfach los läuft in ein DRAUßEN, wo nur dieses den Takt vorgibt.

Johanna

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Johanna Outdoor Abenteuer